Kleine Seele du sollst gehorchen

Anna verliert bei einem Autounfall beide Eltern und wird in einem Heim untergebracht. Schnell merkt Anna Kinder sehr still und leise teilweise ängstlich und total eingeschüchtert sind. Es dauert nicht lange, bis sie selbst das grausame Regime der Nonnen kennen lernt und feststellt. dass sie wie Sklaven gehalten werden ohne Rücksicht auf ihre körperliche oder seelische Gesundheit werden sie unter anderem als Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie missbraucht. Bei jedem noch so kleinen Vergehen drohen drastische Strafen. Eines Tages fasst Anna einen folgenschweren Entschluss.

Schlagworte zum Buch: Kinderheime,Kirche,Stefan,Lamboury,Erziehung,Missbrauch

Aufrufe 39 | Genre Drama | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 14+ | Website zum Buch Link

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( 978-3-7427-2496-0 )

Der blaue VW Bulli fuhr auf den Hof. Durch das vergitterte Fenster auf der Laderampe konnte Anna die grauen Baracken sehen. Erst vor drei Stunden hatte Anna ihren Vater und ihre Mutter durch einen Unfall verloren, Verwandte hatte sie nicht. So war sie in die Obhut des Staates gekommen. Die Fahrt zum Heim war ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen. Was würde sie hier erwarten? Ihre Eltern waren streng gewesen aber gerecht. Anna sah zwei Mädchen, welche unter Aufsicht einer Ordensschwester den Hof fegten. In ihrer rechten Hand hielt die Nonne einen Stock, mit dem sie ihrer Forderung nach Gründlichkeit falls nötig auch Nachdruck verleihen konnte. Mit einem Ruck kam der Wagen zum Stehen. Ein großer Mann vom Jugendamt öffnete die Hintertür des Bullis und sagte: “Aussteigen!“
Anna griff sich ihren Jutesack und stieg aus. Eine Ordensschwester nahm Anna in Empfang und sagte:“Guten Tag, mein Name ist Schwester Susanne. Willkommen im Haus der Hoffnung. Wie ist dein Name?“
„Anna Müller.“
„Geburtsdatum?“
„24.03.56.“
„Laut dem Jugendamt hast du deine Eltern bei einem Autounfall verloren, stimmt das?“
Anna nickte.
„Folge mir, ich bring dich zur Oberschwester.“
Anna folgte Schwester Susanne durch den dunklen Flur. Kahle Wände, der Boden war mit grauen Fliesen ausgelegt. Die Schwester führte Anna in ein Büro. Eine junge Frau Anna schätzte sie auf knapp über 20 Jahre saß an einem Schreibtisch und tippte etwas auf ein Blatt Papier. Eine Tasse dampfender Kaffee stand neben der Schreibmaschine. Das Knattern der Schreibmaschine und das Zurückfahren des Schlittens waren das einzige Geräusch in diesem Raum.
„Guten Tag ich bin Anna.“, sagte Anna.
Die Dame sah von ihrer Arbeit auf und schenkte Anna einen vorwurfsvollen Blick. Anna hörte Stimmen aus dem Raum gegenüber. Ein braune Tür aus Eichenholz verschloss das Zimmer. Anna sah sich um. Die Wände waren weiß und kahl so wie der Flur, durch den sie gekommen war. An der Wand hinter der Frau mit der Schreibmaschine hing ein Bild von Jesus Christus und seinen Jüngern. Das musste das letzte Abendmahl sein, schätzte Anna, sie hatte davon im Religionsunterricht gehört. Das war der Abend gewesen, an dem Judas seinen Bruder Jesus an die Römer verraten hatte. Sie wusste nicht wie lange sie gewartet hatte, aber Anna kam es wie eine Ewigkeit vor, bis sich die Tür öffnete und Schwester Susanne sagte:“Komm rein!“
Der Ton in ihrer Stimme erschreckte Anna, es war einer jener Töne, die keinen Widerspruch duldeten. Anna ging an Schwester Susanne vorüber und betrat den Raum. Das Büro wirkte im Vergleich zum Rest des Hauses warm und angenehm. Der Boden war mit Teppich ausgelegt, ein schwarzer Schreibtisch stand in der hinteren Ecke des Raumes. Auf dem Schreibtisch lag eine Akte, ihre Akte. Eine beleibte Person um die vierzig saß dahinter und schien fast den gesamten Platz hinter dem Schreibtisch auszufüllen. Von der Decke hing eine staubige Messinglampe herab. Hinter der Person stand ein Regal auf dem sich Aktenordner und Klemmbrettmappen stapelten. Eine Akte lag auf dem Schreibtisch vor ihr.



„Wie ist dein Name?“, fragte die Schwester.



„Anna Bäcker.“



„Wann bist du geboren worden?“



„24.03.56“



„In der Akte vom Jungendamt steht, dass du deine Eltern bei einem Autounfall verloren hast.“



Anna nickte. Eine Träne lief ihre Wange hinab.



„Ich werde dir jetzt die Regeln erklären, höre gut zu, denn ich erkläre sie dir nur einmal hast du verstanden?“, fragte die Nonne.



Anna nickte.



„Meine Name ist Schwester Ruth, ich bin die Oberschwester hier und leite das Kinderheim. Um 4:15 Uhr steht ihr auf, ihr habt eine Viertelstunde Zeit euch zu waschen, anzuziehen und eure Betten in Ordnung zu bringen. Ich dulde keine Verspätung hast du verstanden?“



„Ja Schwester Ruth.“



Um 4:30 Uhr geht ihr auf den Hof, ihr mistet den Schweinestall aus und fegt den Hof. Ihr werdet die Tiere füttern und ihnen frisches Wasser geben. Wir haben Hühner, Schweine und Kühe. Außerdem werdet ihr den Boden bohnern und den Tisch eindecken. Wenn ihr fertig seid, wird eine der Schwestern eure Arbeit kontrollieren. Falls ihr die Arbeit nicht ordnungsgemäß erledigt habt, müsst ihr noch einmal anfangen. Dafür habt ihr Zeit bis um 6:15 Uhr. Um halb sieben gibt es Frühstück. Das Frühstück ist um 7:00 Uhr beendet, danach wird der Tisch abgeräumt und das Geschirr gespült. Um 7:45 Uhr geht ihr auf das Feld Unkraut jäten, Gemüse anbauen, den Hof fegen und den Rasen kürzen. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen. Um 1:00 räumt ihr den Tisch ab und wascht das Geschirr. Anschließend 2:00 geht ihr zum Gottesdienst, danach also um drei werdet ihr in der Bibel lesen und den Rosenkranz beten bis um 4: 00 Uhr. Anschließend werden die Ställe ausgemistet und die Tiere versorgt. Um 5:00 Uhr waschen der schmutzigen Wäsche. Um 7: 00 Uhr Abendessen, anschließend Tisch abräumen, beten, abwaschen und ins Bett verstanden?“
„Ja Schwester Ruth.“
„Ihr dürft dreimal täglich auf die Toilette, Morgens um sechs, mittags um zwei und Abends nach

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( 978-3-7427-2496-0 )