Schlaf Kindlein, schlaf

Chantal wird von ihrer völlig überforderten und alkoholkranken Mutter permanent niedergemacht und geschlagen. Eines Tages fasst die Mutter einen folgenschweren Entschluss.

Schlagworte zum Buch: Erziehung,Alkoholmissbrauch,Überforderung,Kurzgeschichte,Stefan,Lamboury

Aufrufe 30 | Genre Kurzgeschichten | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 14+ | Website zum Buch Link

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( 978-3-7407-4885-2 )

Mami mir ist langweilig und die Füße tun mir weh.“, jammert Chantal.
Ich strafe mein Kind mit einem strengen Blick, während ich Cornflakes, Nudeln, Limonade und Miracoli in den Einkaufswagen werfe.
„Mami ich will diese Kaubonbons mit Brause wo sind die? Ich will die Kaubonbons.“
Ich drehe mich zu Chantal um packe sie an den Schultern und sage: „Jetzt ist Ruhe Chantal wenn du nicht aufhörst kannst du gleich wenn wir wieder Zuhause sind ins Bett gehen hast du mich verstanden?“, zische ich. „Und wie siehst du wieder aus?“
Dieses Blag raubt mir noch den letzten Nerv, ständig nörgelt sie rum. Ihr rosafarbener Barbiepullover ist voller Schokoflecken. Ein Schluchzen entweicht ihrer Kehle und ich weiß, dass gleich der Chantalwutanfall kommt, bei dem sie sich auf den Boden wirft und den ganzen Laden zusammen brüllt. Ich packe mein Kind am Arm, drücke zu und schaue ihr mit strengem Blick in die Augen.
„Wage es ja nicht hier herumzubrüllen komm jetzt!“
Meine Tochter sagt nichts, ich schiebe den Einkaufswagen zur Kasse, während ich Chantal hinter mir her schleife wie ein lästiges Anhängsel. Dieses Kind macht es einem wirklich nicht einfach. Manchmal ertappe ich mich bei der Frage, warum es nicht einfach abgetrieben oder nach der Geburt zur Adoption freigegeben habe. Ich erschrecke bei dem Gedanken, so etwas kann man seinem Kind doch nicht antun. Meine Tochter soll es einmal besser haben als ich. Mir wurde damals keine Liebe und keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ich kannte nur Druck, Gewalt und Angst. Angst vor den eigenen Eltern. Meine Tochter soll vor mir keine Angst haben, sondern mit jedem Problem zu mir kommen können.
„Mami ich habe Durst.“, jammert meine Tochter hinter mir. Ich sage nichts, ich habe keine Lust mehr auf diese immer wiederkehrenden Diskussionen.
„Ich muss ganz dringend Pippi.“
„Wir sind gleich Zuhause, wage es ja nicht hier in die Hose zu machen.“

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( 978-3-7407-4885-2 )